"Kann denn Liebe Sünde sein? Homosexualität und Religion"

© Volker Glasow
Passen Homosexualität und Religion zusammen? Viele homosexuelle Menschen sind fest in ihrem Glauben und ihren Gemeinden verankert – auf der anderen Seite steht die bis heute andauernde Diskriminierung, Ausgrenzung und Verfolgung von gleichgeschlechtlich liebenden Menschen durch eben diese Religionen.

Auf der Sonntagsmatinée am 4. März 2018 konnten im FORUM Volkshochschule am Neumarkt die Gäste der Podiumsdiskussion „Kann denn Liebe Sünde sein?“ miterleben, wie schwierig das Verhältnis von Homo- und Bisexualität in Bezug auf Glauben sein kann. Obwohl auf dem Podium erklärt liberale Kräfte wie der Homosexuellenpastoral des Erzbistums Köln Holger Dörnemann, Vorstandsmitglied des Liberal-Islamischen Bundes Dr. Andreas Wojcik und Pastor*in Ines-Paul Baumann von der Metropolitan Church Cologne saßen, wurde diskutiert, dass die großen Religionen in einigen Punkten dringenden Nachholbedarf in Sachen Offenheit und Gleichberechtigung hätten. Insbesondere Ines-Paul Baumann beschrieb hier einen Gegenentwurf mit einer offenen, an Vielfalt und Diskussion orientierten Gemeinde: „Ich begegne Menschen, die sich mit der Einseitigkeit von Religionen nicht mehr wohlfühlen. Man kann keine Reife erlangen, wenn man sexuell bevormundet wird. Wir brauchen eine Vielfalt von Bekenntnissen und Bekenntnislosigkeit, denn im Zentrum steht immer, dass Aufklärung und Glaube sich nicht ausschließen dürfen.“

Comiczeichner und Religionskritiker Ralf König bemerkte, es reiche nicht aus, wenn Papst Franziskus fordere, die katholische Kirche müsse gleichgeschlechtlich liebende Menschen um Verzeihung bitten, wenn weiterhin der Katechismus Homosexualität als Todsünde bezeichne. An solchen und weiteren Beispielen wurde deutlich, dass Lehre und persönliche Haltung oft in verschiedene Richtungen laufen.

Religionswissenschaftler Danijel Cubelic ordnete die Verfolgung von Homosexuellen historisch ein. Homosexualität sei lange Zeit geduldet worden und die gesellschaftliche, religiöse und politische Ächtung erfolge insbesondere in Ländern, die mit entsprechenden homosexuellenfeindlichen Gesetzen Aufmerksamkeit oder eine deutliche Abgrenzung von sog. westlichen Ländern und Kulturen erreichen wollten. Olcay Minyanyedi von der Türkischen Gemeinde Baden-Württemberg rief hier zur verstärkten Jugendarbeit auf, um Diskriminierung entgegenzuwirken.

Moderatorin Annie Heger, selbst offen lesbisch lebende und gläubige Christin, konnte die Runde zusammenbringen und auch Impulse setzen: „Das Thema ist verletzend, und genau deswegen müssen wir hier und jetzt offen darüber sprechen.“ Es lag am Thema selbst, dass einige Fragen offen bleiben mussten – bei anderen Fragen bemerkte das Publikum jedoch deutlich, wenn diese nicht konkret beantwortet werden wollten. Ralf König rief seine Hoffnung aus: „Mögen Aufklärung und Humanismus wie Manna von Himmel regnen!“ Es brauche noch viele Diskussionen wie diese, bis sich homosexuelle Gläubige in ihren Gemeinden wirklich wohl und aufgehoben fühlen könnten, so merkte Olcay Miyanyedi an: „Ich wünsche mir, dass ich irgendwann in meine Gemeinde kommen und sagen kann, ich bin schwul, und es ist selbstverständlich.“
Veranstaltet wurde die Matinée gemeinsam mit der bundesweiten Kampagne „100% Mensch – We are Part of Culture“ und der städtischen Dienststelle „Diversity“.

 
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