Auf ein Wort mit Doğan Akhanlı und Aslı Erdoğan

© Nadja Hussein
„Die Magie der Solidarität“ beschrieb der türkeistämmige Kölner Schriftsteller und Denker Doğan Akhanlı, als er am Abend des 6. November sichtlich erleichtert in die Menge schaute: „Ich bin nicht gut darin, eigene Gefühle zu beschreiben und mich zu bedanken. Aber ich könnte jede und jeden Einzelnen von Ihnen hier im Saal umarmen.“ Die über 340 Menschen im FORUM Volkshochschule im Museum am Neumarkt erwiderten diese Worte mit langem Applaus.

Erst wenige Tage zuvor war der Wahlkölner von seinem Zwangsaufenthalt in Spanien zurückgekehrt, wo er mit seiner Lebensgefährtin einen Urlaub verbringen wollte und durch ein Auslieferungsersuchen der türkischen Behörden über die Polizei-Organisation Interpol festgehalten worden war. Bange Tage, in denen er und seine Engsten nicht wussten, ob er in die Türkei ausgeliefert würde, statt nach Deutschland zurückkehren zu können. Die Bundespolitik setzte sich vehement für Akhanlıs Freiheit ein. Seine Geschichte weckte Empörung auch über die Grenzen Deutschlands hinaus. In Köln demonstrierten große Teile der Zivilgesellschaft ihren Einsatz für die Freilassung des in der Türkei verfolgten und ehemals längere Zeit inhaftierten Autoren, der nie ein Blatt vor den Mund nahm, die Politik der türkischen Regierung kritisch zu begleiten.

Akhanlı war bereits mehrfach im FORUM Volkshochschule zu Gast. Eine ganz besondere Erzählung verbindet ihn mit diesem Ort des gesellschaftspolitischen Diskurses: 2010 befand sich Akhanlı in Istanbul in Haft. Ihm wurden Straftaten zur Last gelegt, die letztlich nicht nachgewiesen werden konnten. Im Oktober, als das FORUM Volkshochschule am Neumarkt erstmals seine Tore für die Gesellschaft öffnete, fand als einer der ersten Abende in einer großen Veranstaltergemeinschaft die Solidaritätsbekundung statt: „Kölner Künstlerinnen und Künstler lesen für die Freiheit“. Fast auf den Tag genau sieben Jahre später feierte das Kölner Publikum im FORUM Volkshochschule erneut seine Solidarität mit Doğan Akhanlı.

Kölns Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes würdigte den Autor und bemerkte herzlich in ihrem Grußwort: „Lieber Doğan, ein drittes Mal wollen wir Dich nicht retten müssen.“ Mit ihm war die renommierte türkische Schriftstellerin Aslı Erdoğan gekommen, die ebenfalls längere Zeit in ihrer Heimat inhaftiert war. Sie sprachen mit Moderator Osman Okkan vom KulturForum TürkeiDeutschland über die Zeit während und nach der Haft, ihre Empfindungen von Ohnmacht, Solidarität, Rebellion, Freiheit und Mut. „Freiheit ist alles, aber auch nichts“, bemerkte Erdoğan, die Zeit in Haft stecke tief in ihr. Wenn Oppositionelle festgenommen würden, werde in ihrem Kopf wieder vieles lebendig. Auch den offiziellen Zahlen von Inhaftierten schenke sie keinen Glauben: „Die Zahlen sind viel höher.“

Neben Doğan Akhanlı und Aslı Erdoğan berichtete auch Akhanlıs Rechtsanwalt Ilias Uyar von der rechtlichen Tragweite der Verhaftungen und dem Fall seines Mandanten im Speziellen. Der Kölner Journalist und Autor Günter Wallraff, der sich in den vergangenen Wochen als Prozessbeobachter in der Türkei aufgehalten hatte, sprach von einem „Hetzjournalismus“, einer gleichgeschalteten Presse. Beeindruckend fand Wallraff dabei, dass viele Menschen dennoch den Mut hätten, ihre regimekritische Meinung zu äußern. Der Kölner Musiker Florian Zenker (Gitarre), Ben Leuschner (Percussion) und David Andres (Bass) bereicherten den Abend mit Weltklängen.

Zu den weiteren Gästen im Publikum zählten Ilkay Yücel, die Schwester des nach wie vor inhaftierten deutsch-türkischen „Welt“-Korrespondenten Deniz Yücel, und Katherine Watson, Direktorin der Europäischen Kulturstiftung.

Die VHS Köln freut sich, gemeinsam mit der AWO Mittelrhein, dem KulturForum TürkeiDeutschland e.V., Recherche International e.V., Amnesty International Deutschland und dem PEN-Zentrum Deutschland zu diesem denkwürdigen Abend geladen zu haben.

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